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Entwaldung
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Entwaldung ist die Umwandlung von WaldflĂ€chen hin zu anderen Landnutzungsformen. Das bestehende Wald-Ökosystem wird dabei durch ein anderes, nicht standorttypisches Ökosystem ersetzt (siehe Anthropogenes Biom). Dadurch gehen die meisten LebensrĂ€ume (Habitate) der ursprĂŒnglich dort lebenden Arten sowie die sozio-ökonomischen Funktionen des Waldes fĂŒr den Menschen verloren. Lokale Gemeinschaften, die den Wald traditionell nutzen oder gĂ€nzlich von ihm abhĂ€ngig sind, werden destabilisiert.

Entwaldung ist zudem gemeinsam mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe eine der maßgeblichen Ursachen fĂŒr die durch den Menschen verursachte globale ErwĂ€rmung. Im September 2019 stellte ein Bericht von 25 Umweltorganisationen zum weltweiten Zustand der WĂ€lder fest, dass die globalen Verluste von WĂ€ldern stark zugenommen haben.cite-ref-1[1] Im Jahr 2017 verringerte sich die WaldflĂ€che weltweit um 29,4 Millionen Hektar, also 294.000 kmÂČ.cite-ref-2[2] Im Zeitraum 2000 bis 2012 gingen insgesamt 2,3 Millionen kmÂČ Wald verloren.cite-ref-welt-de-garms-2013-3-0[3]

Contents

‱ Deutschland
‱ Europa
‱ Russland
‱ Afrika
‱ Brasilien
‱ Indonesien
‱ Folgen
‱ Ökologie
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Ursachen und Erscheinungsformen

Systemcharakter

Das Schwinden von WaldflÀchen weltweit ist nicht monokausal erklÀrbar. Ein Geflecht unterschiedlicher Ursachen und Wechselwirkungen zwischen dem Menschen beziehungsweise der sich entwickelnden Gesellschaft einerseits, und den von ihm genutzten Lebensgrundlagen wie dem Wald andererseits bedingt einen Systemcharakter der Umwelt.cite-ref-4[4]

Hierbei können Faktoren verschiedener QualitĂ€t identifiziert werden: Entwaldung kann aus Vernunft­erwĂ€gungen heraus willentlich herbeigefĂŒhrt werden. Sie kann jedoch auch eine unbeabsichtigte Folge nicht nachhaltiger Bewirtschaftung von Wald sein, wenn also das Wissen ĂŒber die Konsequenzen menschlichen Handelns fehlt oder die Zerstörung von Wald, bedingt durch Armut oder kurzfristiges Gewinndenken, wissentlich in Kauf genommen wird. Entwaldung kann letzten Endes aber auch auf FremdeinflĂŒsse wie SchadstoffeintrĂ€ge zurĂŒckzufĂŒhren sein.

Als TriebkrĂ€fte stehen Entwicklungen wie das schnelle Anwachsen der Weltbevölkerung hinter den unmittelbaren Ursachen der Entwaldung. Die Zunahme der Bevölkerung ist allgemein verbunden mit einem Anstieg der Entwaldungsrate, obgleich die Interaktionsmuster komplexer sind. Man rechnet damit, dass mit einem prognostizierten Anstieg der Weltbevölkerung auf neun bis zehn Milliarden Menschen im Jahr 2050, ein Großteil davon in tropischen LĂ€ndern, den Entwaldungsdruck weiter erhöhen wird.cite-ref-5[5] Des Weiteren spielen politische und soziale Rahmenbedingungen eine Rolle, das Wirtschaftssystem, technologische Entwicklungen, gesellschaftliche Normen und Werte.

Gezielte Umwandlung

Ist eine Umwandlung bestehender WĂ€lder zu einer anderen Landnutzungsform beabsichtigt, werden die WĂ€lder gerodet, oft durch kontrolliertes Abbrennen (Brandrodung), aber auch durch Kahlhiebe.

In Europa erfolgt die Umwandlung von Wald heute in der Regel nur noch fĂŒr Bauprojekte. In Nordamerika und Nordasien werden WaldflĂ€chen fĂŒr den Bergbau beziehungsweise die Förderung von fossilen EnergietrĂ€gern wie Erdöl, Erdgas oder Teersand gerodet. In Lateinamerika, Afrika und SĂŒdostasien wird auf den gerodeten FlĂ€chen meist Landwirtschaft betrieben. Oft handelt es sich bei den angebauten Pflanzen, vor allem in SĂŒdamerika, um Soja fĂŒr die Tierfutterherstellung oder, im Falle Indonesiens, um Palmen, aus denen Palmöl oder Palmherzen hergestellt werden. Wenn die FlĂ€chen fĂŒr Plantagen aus schnellwĂŒchsigen Baumarten genutzt werden, so handelt es sich meistens um Eukalyptus­arten oder um Kiefern, dabei besonders Monterey-Kiefer. Das Holz findet vor allem bei der Papierherstellung Verwendung, die besonders in den letzten Jahren den Umwandlungsdruck auf PrimĂ€rwĂ€lder (beziehungsweise den Nutzungsdruck im Falle borealer WĂ€lder), gemeinsam mit der steigenden Nachfrage nach Biotreibstoffen, sehr erhöht hat.cite-ref-6[6] Neben industriellen Großprojekten bewirkt auch kleinmaßstĂ€blicher Wanderfeldbau in Lateinamerika und Madagaskar Entwaldung.

Die Umwandlung von WaldflĂ€chen geschieht aus ökonomischen ErwĂ€gungen heraus. Eine Eigenschaft vieler GĂŒter des Dienstleisters Wald ist, dass sie keine MĂ€rkte haben, die den Erhalt von WĂ€ldern rentabel machen.cite-ref-7[7] Dies sind insbesondere die CO2-Speicherung und -sequestrierung, Tourismus und genetisches Material.cite-ref-8[8]

Illegale und unbeabsichtigte Entwaldung

Der illegale Holzeinschlag ist eine der HaupttriebkrĂ€fte fĂŒr Entwaldung. Die illegale Abholzung und den Handel mit gestohlenem Nutzholz haben internationale Gremien wie G8, EU, Interpol und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen als UmweltkriminalitĂ€t klassifiziert.cite-ref-9[9]

Durch falsche Bewirtschaftung werden WĂ€lder ĂŒberansprucht und degenerieren, beziehungsweise verlieren die FĂ€higkeit zur Regeneration. Ein degenerierter Wald ist auch anfĂ€lliger bei WaldbrĂ€nden. Ein im Jahr 2008 von der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlichter Artikel nannte verschiedene Arten von nicht beabsichtigten WaldbrĂ€nden als Mitursachen der Entwaldung in Amazonien und die Degradierung als einen begĂŒnstigenden Faktor:

„Absichtlich gelegtes Feuer ist ein Instrument der Entwaldung. Ein Teil der Entwaldung aber geht auf das Konto nicht beabsichtigter Feuer, sprich WaldbrĂ€nde. Diese können ein reines NaturphĂ€nomen sein (nach Blitzeinschlag), sie können durch das Ausufern beabsichtigter Feuer verursacht werden, sie können aber auch durch die Degradierung des Waldes durch selektiven Holzeinschlag oder durch Klimawandel begĂŒnstigt sein.“cite-ref-10[10]

Weitere mögliche Ursachen fĂŒr unbeabsichtigte Entwaldung sind Schadstoffimmissionen, die zu WaldschĂ€den bis hin zum Waldsterben fĂŒhren, sowie die schrittweise Degradierung durch Beweidung, intensive Brennholzgewinnung durch die Bevölkerung und andere Formen des NĂ€hrstoffentzugs, die eine Entkoppelung der StoffkreislĂ€ufe bewirken.

Die effiziente nachhaltige Bewirtschaftung von WĂ€ldern ist nur möglich, wenn die Eigentumsrechte am Wald vollstĂ€ndig geklĂ€rt, exklusiv, gesichert und ĂŒbertragbar sind, da sonst Konflikte um Grenzen, Zutritt und Nutzen entstehen, und die Ressourcenallokation ineffizient gestaltet wird.cite-ref-11[11]

NatĂŒrliche Ursachen

Ein Teil der Entwaldung ist auf Naturkatastrophen zurĂŒckzufĂŒhren. WaldbrĂ€ndecite-ref-welt-de-garms-2013-3-1[3]cite-ref-ng-juni-2018-12-0[12] und StĂŒrmecite-ref-welt-de-garms-2013-3-2[3]cite-ref-ng-juni-2018-12-1[12]cite-ref-forstpraxis-de-2018-13-0[13] sind hier zu nennen, aber auch Kahlfraß durch Insekten.cite-ref-forstpraxis-de-2018-13-1[13] Die Bedeutung von WaldbrĂ€nden, DĂŒrren und TropenstĂŒrmen als Faktoren der Entwaldung nimmt tendenziell zu, da der Klimawandel solche Ereignisse wahrscheinlicher macht und zugleich bewirkt, dass sie heftiger ausfallen.cite-ref-ng-juni-2018-12-2[12]

Einzelne große VulkanausbrĂŒche waren mit der Vernichtung von Wald verbunden. Beim Ausbruch des Mount St. Helens 1980 wurden etwa 600 Quadratkilometer Wald zerstört.cite-ref-14[14]

Historische Entwicklung

Man schĂ€tzt, dass vor dem Übergang des Menschen zur Sesshaftigkeit und somit dem Ackerbau etwa 6,2 Milliarden Hektar der ErdoberflĂ€che mit Wald bedeckt waren. Heute sind 3,5 bis 3,9 Milliarden Hektar als WaldflĂ€che definiert (die Zahlen variieren aufgrund unterschiedlicher Definitionen von Wald). Zu Entwaldungen grĂ¶ĂŸeren Ausmaßes kam es ĂŒberall dort, wo die Zivilisation erste Höhepunkte erreicht hatte, also im Altertum in SĂŒdeuropa und Nordafrika, außerdem in Ostasien (China). Entwaldungen setzten in Mitteleuropa wĂ€hrend des Mittelalters ein. Außerhalb der genannten Regionen wurden WĂ€lder ab der Mitte der Neuzeit mit der Kolonialisierung durch europĂ€ische Nationen umgewandelt. In den USA und in Kanada kam es ab dem 19. Jahrhundert zu Rodungen grĂ¶ĂŸeren Ausmaßes, sowie zu erheblichen forstwirtschaftlichen Übernutzungen besonders in Kanada. In den Tropen war die Entwaldung durch die EuropĂ€er von Beginn an eher durch gezielte Umwandlung von Waldland zu Plantagen motiviert. Die Bewohner wurden von den Kolonialherren an die Peripherie verdrĂ€ngt. Viele Erscheinungen der Umweltkrisen heutiger EntwicklungslĂ€nder wurzeln in dieser Politik.cite-ref-15[15]

Deutschland

Unter natĂŒrlichen UmstĂ€nden wĂ€ren Deutschlands LandflĂ€chen annĂ€hernd vollstĂ€ndig mit Wald bedeckt; heute ist der bewaldete Anteil auf etwa ein Drittel geschrumpft. Dies ist im Wesentlichen auf direkte menschliche AktivitĂ€ten (v. a. Rodungen) zurĂŒckzufĂŒhren.

Der erste Schritt zur Urbarmachung von Land bestand deshalb seit der Landnahmezeit in Mitteleuropa in der Rodung eines Waldgebietes und der Anlage einer Siedlung, in deren Peripherie sich AgrarflÀchen befanden. Zum Weiden wurden Tiere in den Wald getrieben.

Durch das Anwachsen der Bevölkerung wurde immer mehr Land benötigt. Durch die Pestepidemien und durch Kriege wurde die Bevölkerung jedoch vielerorts dezimiert, sodass eine natĂŒrliche Wiederbewaldung stattfand. Eine erste Verknappung von Holz zeichnete sich bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts ab; jedoch wuchs der Anteil der bewaldeten FlĂ€che in Deutschland, bedingt durch den DreißigjĂ€hrigen Krieg, in den entvölkerten Gegenden wieder an. Andererseits unterblieb deshalb eine Änderung der forstlichen Praxis und die WĂ€lder wurden regional stark ĂŒbernutzt. Bauern ĂŒbernutzten WĂ€lder seit Jahrhunderten durch Waldweide und Streunutzung.

GrĂ¶ĂŸere WaldflĂ€chen blieben in Deutschland bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts nur erhalten, wenn es sich bei dem betroffenen Areal um ein Jagdgebiet handelte, welches zur Erhaltung des Wildbestands unter besonderem Schutz stand. Andere Beispiele sind die Klosterwaldungen z. B. in Bayern. Viele andere WĂ€lder wurden umgewandelt (Weinbau, SiedlungsflĂ€che, Agrarland).

Große Mengen Holz wurden als EnergietrĂ€ger in Privathaushalten und der frĂŒhen industriellen Produktion benötigt, z. B. bei der Eisenerzeugung (Holzkohle-Hochöfen, Hauptartikel → Lahn-Dill-Gebiet#Holzkohle-Hochöfen), der Backsteinbrennerei, der Glasherstellung, der Salzsiederei, der Töpferei, der Gerberei, zur Herstellung von Holzkohle, von Ruß oder auch im Bergbau. Im Schwarzwald wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts riesige Mengen Rundholz zu FlĂ¶ĂŸen gebunden und in die Niederlande exportiert, wo das Holz zum Schiffbau und zur Fundamentierung benötigt wurde.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts waren in Deutschland nur noch wenige intakte zusammenhĂ€ngende WĂ€lder vorhanden, die Landschaft verkahlte zunehmend. Holz wurde schließlich so knapp, dass in manchen Gegenden zur Winterzeit ZaunpfĂ€hle, Treppen und alle möglichen kurzfristig entbehrlichen GegenstĂ€nde aus Holz verbrannt wurden.

Dabei sollte allerdings bedacht werden, dass in dieser Zeit das Klima in Mitteleuropa deutlich kÀlter als heute war (kleine Eiszeit, Gletscherhochstand 1850cite-ref-nfp31-16-0[16]cite-ref-17[17], Jahr ohne Sommer 1816).

Aufgrund der Holznot dieser Tage wuchs die Einsicht, dass Holzressourcen nachhaltig bewirtschaftet werden mĂŒssen. Es entstanden die Forstwissenschaft und damit verbunden neue, nicht destruktive 'nachhaltige' Formen der Waldnutzung. Entlastet wurden die WĂ€lder vor allem durch die Umstellung der Energieerzeugung auf fossile Brennstoffe und durch das Verbot der Holzentnahme durch Private. Gleichzeitig wurden KahlflĂ€chen aus unterschiedlichen ErwĂ€gungen heraus besonders mit Koniferen aufgeforstet, vor allem mit Kiefern und Fichten, die selbst bei Böden mit stark vermindertem NĂ€hrstoffangebot (durch Waldweide und Entnahme auch des Schwachholzes) noch ausreichend gut wachsen, aber auch relativ schnell Schlagreife erreichen. Da Holz ein wertvolles Produkt war, wurden im 19. Jahrhundert auch aus ökonomischen ErwĂ€gungen heraus WĂ€lder gepflanzt, die man als Kapitalanlage wahrnahm (Bodenreinertragslehre). So wuchs die bewaldete FlĂ€che in Deutschland wieder auf etwa ein Drittel des Landes an. Zeugen einer frĂŒheren Entwaldung in Deutschland durch Übernutzung sind bis heute die HeideflĂ€chen Norddeutschlands.

Mittelmeerraum

Im Mittelmeerraum betrieben Menschen seit den ersten Tagen der Zivilisation Entwaldungen (= Rodung und Urbarmachung), vor allem um FlĂ€chen fĂŒr die Landwirtschaft zu gewinnen. Große Mengen Holz wurden fĂŒr den Schiffbau und zur Herstellung von Holzkohle verwendet.

Mit zunehmender Degradation der Böden bĂŒĂŸten die ursprĂŒnglich beherrschenden Steineichen und Korkeichen ihre Konkurrenzkraft zu Gunsten der begleitenden StrĂ€ucher ein.cite-ref-18[18] Es entstand die Macchie, ein Buschwald mit immergrĂŒnen hartlaubigen StrĂ€uchern, der von Natur aus ursprĂŒnglich nur auf nach SĂŒden exponierten flachgrĂŒndigen HĂ€ngen vorkĂ€me.

Die Übernutzung wurde fortgesetzt, bis infolge weiterer Bodendegradation selbst kleine, skleromorphe StrĂ€ucher keine geeigneten Standortbedingungen mehr vorfanden und einjĂ€hrige KrĂ€uter und GrĂ€ser an deren Stelle traten (siehe auch Tragik der Allmende).

Geophyten und Orchideen gesellten sich hinzu. Mediterrane Landschaften zeichnen sich aufgrund jahrhundertelanger Übernutzung durch offene Bodenstellen und Buschland aus. Das Fehlen von Wald ist ein Charakteristikum der Kulturlandschaft, zum Beispiel in Sizilien.

Aufforstungen finden in grĂ¶ĂŸerem Maße erst wieder seit den 1970er Jahren statt (finanziell gefördert von der EuropĂ€ischen Union), vor allem in Spanien, Griechenland und Portugal. Dabei wurden oft fremdlĂ€ndische Baumarten gewĂ€hlt, zum Beispiel Eukalyptus.

Siehe auch

:

Entwaldung in römischer Zeit

Vereinigte Staaten

Vor der Entdeckung Nordamerikas durch die EuropĂ€er war circa die HĂ€lfte der Vereinigten Staaten durch Wald bedeckt. Es wird geschĂ€tzt, dass um 1600 noch etwa 4 Millionen Quadratkilometer Wald bestanden. Analog zum Bevölkerungswachstum wurde im Verlauf der folgenden 300 Jahre ein Großteil des Waldes gerodet, um Platz fĂŒr eine landwirtschaftliche Nutzung zu schaffen. FĂŒr jede zusĂ€tzliche Person wurden dabei ein bis zwei Hektar neues Land kultiviert. Erst 1920 kam diese Entwicklung zu einem Stillstand, auch wenn die Bevölkerung weiter anwuchs. Von 1952 an stieg der Waldanteil sogar wieder an, da auf nicht mehr genutzten FlĂ€chen wieder neuer Wald aufkam. 1963 erreichte diese Entwicklung mit einer WaldflĂ€che von insgesamt 3.080.000 kmÂČ ihren Höhepunkt. Seitdem ist ein stetiger RĂŒckgang der WaldflĂ€che zu beobachten.cite-ref-19[19] Dabei kommt es nach wie vor zur Abholzung der Reste der ursprĂŒnglichen WĂ€lder sowie zu einer immer weiteren Zerschneidung der WĂ€lder.

Entwaldung heute

Entwaldung ist heute vor allem ein Problem, das LĂ€nder außerhalb Europas betrifft, besonders tropische (Regen-)WĂ€lder. Statistiken ĂŒber Entwaldungsraten in verschiedenen LĂ€ndern werden beeinflusst durch nationale Walddefinitionen. Unter BerĂŒcksichtigung von Aufforstungen und Wiederaufforstungen sind die grĂ¶ĂŸten Nettoverluste an WaldflĂ€chen in Lateinamerika zu verzeichnen. Dort betrĂ€gt der jĂ€hrliche Verlust circa 4,3 Millionen Hektar, wobei die Entwaldung sich im Zeitraum von 2000 bis 2005 im Vergleich zu den 1990er Jahren um 500.000 Hektar pro Jahr beschleunigt hat. Brasilien weist nicht nur in der Region Lateinamerika die höchste Entwaldungsrate auf, sondern auch im Vergleich mit allen anderen LĂ€ndern der Erde.cite-ref-20[20] (wobei jedoch hier zu berĂŒcksichtigen ist, dass die natĂŒrliche Wiederbewaldung in die Statistik nicht miteinflosscite-ref-21[21]) Ein weiterer Brennpunkt ist SĂŒdostasien, insbesondere Indonesien. In Afrika betrĂ€gt der WaldflĂ€chenverlust jĂ€hrlich etwa 4 Millionen ha, wobei ein leichter RĂŒckgang von ehemals 4,4 Millionen Hektar erfasst wurde. Hier sind der Sudan, sowie LĂ€nder des Kongo-Bassins betroffen. DarĂŒber hinaus sind auch andere Waldökosysteme in wenigen anderen LĂ€ndern der Welt betroffen, die Entwaldungsraten dort sind jedoch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gering.cite-ref-22[22]

Laut einer Studie der Interpol und des UN-Umweltprogramms von 2012 macht die illegale Waldrodung 50 bis 90 Prozent der Entwaldung in den tropischen Kerngebieten der Holzproduktion und 15 bis 30 Prozent der weltweiten Abholzung aus.cite-ref-23[23]

Global Forest Watch

Auf Initiative des World Resources Institute entstand das weltweite Wald-Monitoring­system Global Forest Watch, das seit 2014 im Internet fĂŒr Jedermann eine vielseitige und regelmĂ€ĂŸig aktualisierte Online-Überwachung der WĂ€lder auf Basis einer interaktiven Weltkarte ermöglichtcite-ref-24[24] (Zugang siehe → Weblinks). Dort lĂ€sst sich die Entwaldungsrate an jeglichem Ort auf der Erde fĂŒr verschiedene ZeitrĂ€ume von 2000 bis zur Gegenwart in höchster Auflösung ermitteln. Der Laie kann allerdings kaum unterscheiden, welche Ursachen dem zugrunde liegen. So sind z. B. die immensen Entwaldungen im Norden der kanadischen Provinz Saskatchewan nicht auf Abholzungen zurĂŒckzufĂŒhren, sondern auf natĂŒrliche WaldbrĂ€nde, die von Zeit zu Zeit auch in großem Ausmaß fĂŒr die borealen WĂ€lder normal sind (Eine mögliche VerstĂ€rkung durch die Globale ErwĂ€rmung wird allerdings diskutiert).cite-ref-25[25]

Europa

Europa ist die einzige Region der Erde, in welcher seit Jahrzehnten eine Zunahme der WaldflĂ€chen verzeichnet wird (seit 1990 wird eine Zunahme um insgesamt 13 Millionen Hektar berechnet, Russland nicht miteingeschlossen; dies entspricht etwa der FlĂ€che Griechenlands). Im Durchschnitt sind in Europa (ohne Russland) 31,5 % der LandflĂ€che mit Wald bedeckt, sowie weitere 5 % mit anderen waldĂ€hnlichen Ökosystemen (diese Unterscheidung wird in Deutschland nicht angewandt, jedoch in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern). EU-weit wurden in den Jahren 2016 bis 2018 aber im Schnitt 49 Prozent mehr FlĂ€chen abgeholzt als im Vergleichszeitraum 2011 bis 2015, die Holzentnahme stieg sogar um 69 Prozent.cite-ref-26[26]

Bis heute sind einige europĂ€ische LĂ€nder wenig bewaldet. Die geringsten BewaldungsprozentsĂ€tze haben (beziehungsweise hatten bis vor wenigen Jahrzehnten) meist die ehemals großen Seefahrernationen. Auf Großbritannien (1919: 6 %, 2010: 12 %) und Irland (11 %) sind kaum mehr als 10 % der LandoberflĂ€che mit Wald bedeckt, dasselbe gilt fĂŒr die Niederlande (11 %) und DĂ€nemark (13 %). In der Ukraine (17 %) gibt es sehr ergiebige Böden, daher herrscht dort die landwirtschaftliche Nutzung vor. Auch in Moldawien und in Ungarn dominieren andere Landnutzungsformen. Innerhalb der EU hat Malta den geringsten Bewaldungsprozentsatz.cite-ref-27[27]

Russland

Die Entwaldungsrate wird in Russland auf sehr unterschiedliche GrĂ¶ĂŸen geschĂ€tzt, die sich auf Nettoverluste in der Höhe von 2 Millionen Hektar (SchĂ€tzung des WWF)cite-ref-28[28] bis hin zu NettozuwĂ€chsen in der Höhe von 500.000 Hektar pro Jahr (Analyse der FAO)cite-ref-29[29] besonders seit Ende der 1990er Jahre belaufen. Staatlichen Angaben zufolge schrumpfte die WaldflĂ€che Russlands seit 1990 jĂ€hrlich um insgesamt 160.000 Hektar.cite-ref-30[30] Die starke Streuung der SchĂ€tzungen beruht zum einen auf Änderungen der Berechnungsgrundlagen, zum anderen auf der stark schwankenden wirtschaftlichen Gesamtlage. Die GrĂ¶ĂŸe des Landes bedingt sehr verschiedene lokale Situationen: WĂ€hrend in den unerschlossenen oder schlecht erschlossenen Gebieten große ZuwĂ€chse zu verzeichnen sind, kommt es in infrastrukturell gĂŒnstiger gelegenen Gebieten zu teilweise starken, oft illegalen Übernutzungen.

Mögliche dauerhafte Versumpfungen aufgrund der verminderten Transpiration werden durch Großkahlhiebe herbeigefĂŒhrt (zurzeit betrĂ€gt die erlaubte GrĂ¶ĂŸe 250 ha, jedoch waren bis vor wenigen Jahren auch Kahlhiebe von bis zu 2000 Hektar möglich). Hier sind in der Regel PrimĂ€rwĂ€lder östlich des Ural betroffen.cite-ref-31[31] Punktuell finden sich Entwaldungen aufgrund von Kontaminationen (verursacht beispielsweise durch schwermetallproduzierende Betriebe auf der Kola-Halbinsel; große Mengen Schwefeldioxid werden dabei in angrenzende WĂ€lder emittiert).

Afrika

Äthiopien

Der Organisation „Mongabay“ zufolge sind heute schĂ€tzungsweise 12 % der LandflĂ€che Äthiopiens bewaldet. Dies entspricht etwa 13.000.000 Hektar. Der WaldflĂ€chenverlust zwischen 1990 und 2005 betrage 2,1 Millionen Hektar beziehungsweise 14 % der damaligen WaldflĂ€che.cite-ref-32[32] Die Hauptursache fĂŒr die Entwaldung in Äthiopien in Ostafrika besteht im Bevölkerungswachstum und der damit verbundenen erhöhten Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten und Feuerholz.cite-ref-sucoff-33-0[33] Weitere GrĂŒnde schließen ein niedriges Bildungsniveau und ein passives Verhalten der Regierung mit ein,cite-ref-34[34] wobei die derzeitige Regierung allerdings Maßnahmen gegen die Entwaldung eingeleitet hat.cite-ref-35[35]

Madagaskar

Massive Entwaldung bewirkt auf Madagaskar der Organisation „Mongabay“ zufolge Desertifikation, Wasserkrisen und Bodendegradation, die auf etwa 94 % der produktiven FlĂ€chen des Landes bemerkbar seien. Die Prozesse verschĂ€rften sich nach der UnabhĂ€ngigkeit von Frankreich. Die Versorgung mit Trinkwasser, Nahrungsmittel und Feuerholz kann mit dem Bevölkerungsanstieg nicht Schritt halten.cite-ref-36[36]cite-ref-37[37]

Brasilien

Von den LĂ€ndern Lateinamerikas ist Brasilien dasjenige, das mit am stĂ€rksten dem Bild eines Kolonien-Einwanderungslandes nach dem Beispiel zuerst der USA oder auch Australiens oder SĂŒdafrikas entspricht,cite-ref-38[38] mit u. a. seinem Staatsmotto („Ordem e Progresso“), seiner modernen Technologie – und dem geringen Bevölkerungsanteil von Nachfahren seiner ursprĂŒnglichen Bewohner (0,2 %). Doch nicht nur Land, Gold, Kaffee und Kautschuk waren Motive und Motoren seiner Eroberung und Erschließung – sondern auch Holz. Selbst sein Name geht auf den Pau-brasil, den Brasilholz-Baum (Caesalpinia echinata) zurĂŒck, von portugiesisch Brasa – „Glut“ und brasil – „glĂŒhend“, „glutartig“, (was die Farbe des geschnittenen Holzes beschreibt, das auch zum FĂ€rben von Stoffen benutzt wurde). Diese heute vom Aussterben bedrohte Baumart war zur Zeit der frĂŒhen Kolonisation in den – heute grĂ¶ĂŸtenteils zerstörten – RegenwĂ€ldern der brasilianischen AtlantikkĂŒste sehr verbreitet und lieferte ein wichtiges Ausfuhr­produkt. Nicht viel besser erging es der Brasilianischen Araukarie, die von allen Araukarien-Arten die grĂ¶ĂŸte wirtschaftliche Bedeutung hat. Sie ist eine Art v. a. der Höhenlagen im SĂŒden der atlantischen WĂ€lder, von denen ebenfalls nur noch Reste in ökologisch intaktem Zustand erhalten sind. Der Bereich der AtlantikkĂŒste war der Hauptangriffspunkt der Kolonisation und trĂ€gt bis heute den Großteil der Bevölkerung des Landes (90 %), was fĂŒr die kĂŒstennahen WĂ€lder, die u. a. auf Charles Darwin einen starken Eindruck machten, weitestgehende Zerstörung oder zumindest Degradation bedeutet hat, deren Folgen am stĂ€rksten im Ă€quatornĂ€heren und dem trockenen Klima Zentralbrasiliens ausgesetzten Nordosten waren.

Brasilien hat entscheidenden und zentralen Anteil am Amazonasgebiet, dem sĂŒĂŸwasserreichsten Tieflandbecken und grĂ¶ĂŸten Fluss-Regenwald-System der Erde, das auch von manchen als grĂ¶ĂŸtes (zusammenhĂ€ngendes) (Land-)Ökosystem des Planeten betrachtet wird. Schon lange hat sich die Suche nach Edelhölzern (Mahagoni, Palisander), die immer noch stark mit Brasilien assoziiert wird, dorthin ausgedehnt. Deren mehr oder weniger unkontrollierte Ausbeutungcite-ref-39[39] zerstört den Amazonaswald – wenn nicht flĂ€chig, so doch ökologisch. HauptsĂ€chlich ist die Entwaldung auf die legale, oft staatlich subventionierte Umwandlung zur Produktion von Soja oder zur Anlage von Weiden fĂŒr Viehzucht (besonders Rindercite-ref-40[40]), auf Infrastrukturmaßnahmen in großem Maßstab, z. B. Straßenbau (TransamazĂŽnica), Großprojekte (CarajĂĄs, Jari-Projekt), GroßstaudĂ€mme (TucuruĂ­, Belo Monte), wilden Abbau von BodenschĂ€tzen (garimpeiros) und die Besiedelung und Brandrodung durch landlose Bauern von außerhalb des Waldes zurĂŒckzufĂŒhren. In Brasilien hat dieses Problem eine solche Tragweite, dass letztere in einer eigenen politischen Bewegung oder Gewerkschaft, der Bewegung der Sem Terra organisiert sind.

In den letzten fĂŒnf Monaten des Jahres 2007 gingen in Brasilien 323.500 Hektar verloren, alleine im Dezember 2007 sogar 94.800 Hektar.cite-ref-41[41] In der Folge beriet im Januar 2008 ein Notfallkabinett der brasilianischen Regierung ĂŒber Maßnahmen.cite-ref-42[42]

Nach drei aufeinander folgenden Jahren mit relativem RĂŒckgang hat sich im Zeitraum August 2007 bis Juli 2008 die Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet wieder beschleunigt. So gingen in diesem Zeitraum 11.968 kmÂČ verloren; dies sind 4 % mehr als im Vorjahreszeitraum.cite-ref-43[43]

2005 und 2010 gab es im Amazonasgebiet außergewöhnliche DĂŒrren.cite-ref-44[44] Selber eine mögliche Folge der Entwaldung, wird Trockenheit – auch noch wiederholt – jedoch im Regenwald unweigerlich die dortige, an fast tĂ€gliche NiederschlĂ€ge angepasste Vegetation schĂ€digen.cite-ref-45[45]cite-ref-46[46]

Nach vorlĂ€ufigen Satellitendaten des Brasilianischen Nationalinstituts fĂŒr Weltraumforschung (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais, INPE) die Entwaldungsrate im Zeitraum von August 2009 bis Juli 2010 mit 2.296 kmÂČ im Vergleich zum Zeitraum von August 2008 bis Juli 2009 mit 4.375 kmÂČ um 47,5 % gefallen. Nach Angaben des deutschen BMZ soll der RĂŒckgang von 2004 (27.000 kmÂČ) bis 2010 (unter 7.000 kmÂČ) sogar 75 % betragen haben. Deutschland hat den Waldschutz in Brasilien von 1996 bis 2011 mit ĂŒber 300 Mio. Euro unterstĂŒtzt.cite-ref-47[47] Dies entspricht der grĂ¶ĂŸten Abnahme seit Beginn der Messungen im Jahr 1988. Setzt sich dieser Trend fort, könnte Brasilien seine Zusage, die Entwaldungsrate bis 2020 um 80 % zu reduzieren, etwa ein Jahrzehnt frĂŒher als vereinbart erfĂŒllen. Mithin sei Brasilien das einzige tropische Land, das kontinuierlich fallende Entwaldungsraten vorweisen könne. Kritische Stimmen merken allerdings an, dass die von der INPE erhobenen positiven Daten möglicherweise nicht der tatsĂ€chlichen Entwaldungsrate entsprechen. So handele es sich bei dem verwendeten sogenannten „Real-time Deforestation Detection System“ um ein System mit niedriger Auflösung, welches nur Rodungsfeuer detektiert, die eine FlĂ€che von mehr als 25 Hektar bedecken. INPE-Spezialisten gaben zu bedenken, dass Farmer, um einer Entdeckung zu entgehen, nun dazu ĂŒbergegangen sein könnten, kleinflĂ€chigere Brandrodungen durchzufĂŒhren. DarĂŒber hinaus wurde von einer starken Zunahme der FlĂ€chenbrĂ€nde im August 2010 berichtet. Ferner wird vermutet, dass die aktuelle Weltwirtschaftskrise und die damit verbundene gesunkene Nachfrage nach Rohstoffen wie Sojabohnen und Rindfleisch, ebenfalls zur positiven Entwicklung bei der Entwaldungsrate beigetragen habe. Daher ist es ungewiss, ob Brasilien einem erneuten Anstieg der Entwaldungsrate entgegenwirken kann, wenn die Rohstoffpreise wieder anziehen.cite-ref-webseite-48-0[48]cite-ref-nature-467-49-0[49]

Zwischen August 2017 und Juli 2018 hat die Abholzung mit 7.900 kmÂČ den höchsten Stand seit 2008 erreicht. Im letzten Jahr sank sie noch um 16 % auf knapp 7.000 kmÂČ. Im Kalenderjahr 2018 betrug die Abholzung 13.000 kmÂČ, zwischen August 2020 und Juli 2021 insgesamt 13.235 kmÂČ.cite-ref-50[50] 2012 war mit 4.500 kmÂČ das Jahr mit der geringsten Entwaldung. 2004 wurden von der damaligen Regierung Maßnahmen gegen die Abholzung beschlossen.cite-ref-51[51]

Die Verluste stiegen weiterhin rasant, im Gesamtjahr 2018 betrugen sie bereits 13.000 kmÂČ.cite-ref-52[52] Im Juli 2019 stellten INPE-Beobachtungen die Abholzung von mehr als 1.800 kmÂČ innerhalb eines Monats fest. Die der Holzwirtschaft und den Minenbetreibern zugewandte neue Regierung von Jair Bolsonaro bezweifelte daraufhin die Aussagekraft der angewendeten Messmethoden. Umweltminister Ricardo Salles kĂŒndigte an, kĂŒnftig private Dienstleister mit der Überwachung beauftragen zu wollen.cite-ref-53[53] Nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE wurden im November 2019 insgesamt 563 Quadratkilometer Wald vernichtet. Die Entwaldung stieg damit um 104 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.cite-ref-54[54] Brasilien hat in den ersten vier Monaten des Jahres 2022 69 % mehr Regenwald im Amazonasgebiet abgeholzt als im Vorjahreszeitraum.cite-ref-55[55]

Siehe auch

:

WaldbrÀnde im Amazonas-Regenwald 2019

Indonesien

JĂ€hrlich werden in Indonesien WĂ€lder von etwa 1,5 Millionen hacite-ref-56[56] bis 1,8 Millionen hacite-ref-forestrypaper147-s21-57-0[57] vernichtet. Der letzte intakte tropische Regenwald Asiens in Westneuguinea ist insbesondere durch illegalen Holzeinschlag gefĂ€hrdet (Indonesien ist der weltweit grĂ¶ĂŸte Erzeuger von Merbau).cite-ref-58[58]

Die CO2-Emissionen Indonesiens, des viertgrĂ¶ĂŸten Emittenten weltweit, sind zu 80 % auf Entwaldung zurĂŒckzufĂŒhren.cite-ref-59[59] Insbesondere TorfbrĂ€nde tragen hierzu bei.cite-ref-florian-siegert-brennende-regenw-lder-60-0[60] Prognosen des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen zufolge werden bis zum Jahr 2022 98 % der WĂ€lder degradiert oder verschwunden sein.cite-ref-61[61]

Die Rodung des Regenwalds wird verstÀrkt durch die Förderung der Verwendung von Palmöl als Mineralölersatz.cite-ref-62[62]cite-ref-63[63]

Folgen

CO 2 -Emissionen

BĂ€ume betreiben oxygene Photosynthese und benötigen zum Wachstum das CO2 der Luft. WĂ€lder sind aus diesem Grund die grĂ¶ĂŸten CO2-Speicher auf der LandoberflĂ€che der Erde. Aus diesem Grund wirkt Entwaldung als CO2-Quelle (unmittelbare Freisetzung bei Brandrodung oder bei Drainage, verzögerte Freisetzung bei einer vorangehenden stofflichen Nutzung des Holzes). Gleichzeitig können WĂ€lder auch zur CO2-Sequestrierung beitragen. Eine Kompensation der durch die Entwaldung verursachten Emissionen im Rahmen der Landnutzung ist nur durch Aufforstungen möglich, und auch nur unter bestimmten Bedingungen.

Entwaldung als CO 2 -Quelle

Zum Umfang der durch die weltweite Entwaldung erzeugten Kohlenstoffdioxidemissionen kursieren unterschiedliche Zahlen, die das Resultat uneinheitlicher Berechnungsmethoden sind. Der vierte Bericht des Weltklimarates aus dem Jahr 2007 beziffert diesen Anteil fĂŒr das Jahr 2004 auf 17,3 Prozent.cite-ref-64[64] Das Max-Planck-Institut fĂŒr Meteorologie geht davon aus, dass ein Drittel der menschengemachten CO2-Emissionen im Zeitraum 1850–2000 auf Entwaldung zurĂŒckzufĂŒhren sind.cite-ref-65[65] Anderen Quellen zufolge sind 20cite-ref-66[66] bis 25cite-ref-fao-28122007-67-0[67] Prozent aller weltweiten anthropogenen CO2-Emissionen auf Entwaldung zurĂŒckzufĂŒhren. Dies entspricht mehr als 7 Milliarden Tonnencite-ref-fao-28122007-67-1[67]. In den Jahren 2000–2005 wurde die Menge des in WĂ€ldern gebundenen Kohlenstoffs um jĂ€hrlich 1,1 Gigatonnen netto reduziertcite-ref-fao-28122007-67-2[67], was CO2-Emissionen von 4 Gigatonnen entspricht. Aufforstungen, die natĂŒrliche Ausweitung von WĂ€ldern und NettozuwĂ€chse des Holzvorrates in WĂ€ldern einiger LĂ€nder (vornehmlich auf der Nordhalbkugel der Erde) stehen den Kohlenstoffdioxid-Emissionen entgegen.

Verursacht werden diese Emissionen im Falle der Brandrodung direkt durch das Abbrennen von Wald, teilweise mitsamt dem im Boden gespeicherten Kohlenstoff. Wird eine Entwaldung dagegen durch Kahlhieb oder Übernutzung herbeigefĂŒhrt, so wird das Holz des Waldes zunĂ€chst stofflich verwertet. In diesem Falle gelangt der darin gespeicherte Kohlenstoff erst wieder in den globalen Kohlenstoffkreislauf, sobald das aus dem Holz erzeugte Gut zum Beispiel als Brennholz (in kurzem zeitlichen Abstand vom Einschlag), als Altholz oder Altpapier verfeuert wird.

Aber auch der im Boden gespeicherte Kohlenstoff wird nach Kahlhieben als CO2 freigesetzt: Durch die Entfernung der Waldschicht wird dem Boden mehr Energie in Form von Strahlung zugefĂŒhrt. Dies regt die TĂ€tigkeit von Mikroorganismen im Boden an, die den organischen Kohlenstoff metabolisch verbrennen (dissimilieren). Dieser Prozess wird gefördert durch die Drainage von WĂ€ldern.

WĂ€lder als CO 2 -Senken

Als Kohlenstoffsenken fungieren nur WÀlder, in welchen eine Nettoproduktion zu verzeichnen ist.cite-ref-68[68] In sehr alten WÀldern findet jedoch kein Nettozuwachs mehr statt. Dort halten sich Zerfallsprozesse (bei denen CO2 freigesetzt wird) und die Fixierung von CO2 aus der Luft die Waage. Die Menge des in einem solchen Wald gespeicherten Kohlenstoffes schwankt dann um einen Mittelwert in annÀhernder Höhe des Maximalwertes, solange keine Störung im System auftritt (Naturkatastrophen, menschliches Eingreifen).cite-ref-69[69]

Durch Aufforstungen kann somit CO2 sequestriert werden. Eine stoffliche Nutzung entzieht der AtmosphĂ€re CO2 auf eine relativ lange Zeit. Der Wachstumsdynamik von WĂ€ldern folgend kann – eine stoffliche Nutzung vorausgesetzt – so theoretisch auf einer FlĂ€che derselben GrĂ¶ĂŸe durch konstante Nutzung langfristig mehr CO2 gebunden werden, als in einem alten Wald gespeichert ist. Aus diesem Grunde wird seit einiger Zeit die Möglichkeit der Anrechnung von Holzprodukten in der Bilanzierung im Rahmen des Kyoto-Nachfolgeprotokolls gefordert.

Der Kohlenstoff ist durchschnittlich zu 68 % in der Biomasse der Vegetation, zu 17 % im Waldboden in der Form von Humus, sowie in Totholz gespeichert.cite-ref-70[70] Die Anteile variieren je nach Waldgesellschaft. So weisen boreale WĂ€lder oft mĂ€chtige Auflagen organischen Materials ĂŒber dem Waldboden auf. Auch die Menge von Totholz in einem Wald kann sehr unterschiedlich sein und ist das Ergebnis forstwirtschaftlicher Entscheidungen, beziehungsweise der Nachfrage nach normalerweise minderwertigen Holzsortimenten.

Ökologie

Die genauen Konsequenzen der Entwaldung sind abhÀngig von der nachfolgenden Landnutzungsform. Oft wird auf den entwaldeten FlÀchen intensive Landwirt- oder Forstwirtschaft in Plantagenform betrieben. In Frage kommt jedoch prinzipiell jede Form einer aus einzelbetrieblicher Sicht rentableren Landnutzung. Die VerÀnderung der Artenvielfalt ist von der neuen Nutzungsform abhÀngig: So fördern traditionelle Wirtschaftsformen die BiodiversitÀt, wÀhrend die meisten modernen Formen eine deutliche Verringerung bewirken.cite-ref-71[71]cite-ref-72[72]

ZurĂŒckbleiben können neben artenarmen anthropogenen Ökosystemen mittel- bis langfristig auch KahlflĂ€chen, die anfĂ€llig fĂŒr wĂŒstenbildende Prozesse sind. Dies kann durch nicht nachhaltige Bewirtschaftung erfolgen, und auch insbesondere dann, wenn eine nachfolgende Nutzung des Landes nicht geplant ist, also die Entwaldung primĂ€r durch die Nutzung des Holzes motiviert war oder, in selteneren FĂ€llen, durch ein natĂŒrliches Katastrophenereignis herbeigefĂŒhrt wurde. Die WĂŒstenbildung wird auf verbleibenden KahlflĂ€chen durch Erosion eingeleitet.

Weitere Folgen der Entwaldung können neben Artenverlust und WĂŒstenbildung auch Überschwemmungen sein, die dadurch begĂŒnstigt werden, dass durch die fehlende Waldvegetation auch keine Interzeption stattfinden kann: In Baumkronen verbleibt ein großer Teil des Regenwassers und verdunstet, ohne je bis auf die Erde zu gelangen. Auch die Transpiration, also der Transport von Wasser aus dem Boden von den Baumwurzeln bis zu den BlĂ€ttern, ist bei WĂ€ldern höher als bei anderen Landnutzungsformen, weil in WĂ€ldern wesentlich mehr photosynthetisch aktive grĂŒne Biomasse vorzufinden ist. Durch Verdunstung ĂŒber die BlĂ€tter, die Evapotranspiration, wird Wasserdampf gebildet, der in die AtmosphĂ€re aufsteigt. Der dadurch verursachte KĂŒhleffekt am Boden ist fĂŒr das lokale Klima wichtig, trĂ€gt aber auch zur Abmilderung des globalen Temperaturanstiegs bei.cite-ref-73[73]

Erdrutsche werden auf entwaldeten HĂ€ngen wahrscheinlicher, da BĂ€ume mit ihrem oft tiefgreifenden Wurzelwerk sehr zur Stabilisierung des Bodens beitragen. DarĂŒber hinaus fĂŒhrt Entwaldung meist zu einer Verschlechterung der Trinkwasserversorgung und einer verminderten Reinigung der AtmosphĂ€re.

Sozio-ökonomische Folgen

WĂ€lder im Allgemeinen, und PrimĂ€rwĂ€lder im Besonderen sind wenig rentabel. Wenn diese WĂ€lder in Plantagen umgewandelt werden, oder andere Landnutzungsformen wie Tagebau ermöglicht werden, ist damit zunĂ€chst eine Erhöhung der Wertschöpfung, und somit die Schaffung von ArbeitsplĂ€tzen und Volkseinkommen verbunden, ferner die Entwicklung von Infrastruktur und lĂ€ndlichen Regionen. Die Nachhaltigkeit der Effekte hĂ€ngt vor allem von den Ressourcen des Bodens beziehungsweise des Gesteins ab, aber auch von der Praxis der Bewirtschaftung. Plantagen mĂŒssen, um langfristig produktiv sein zu können, kĂŒnstlich mit NĂ€hrelementen versorgt werden, damit der Entzug von NĂ€hrstoffen durch die Ernte der Produkte ausgeglichen werden kann.

Mit dem ökonomischen Wandel werden jedoch die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen einem Umbruch ausgesetzt.cite-ref-globalisierung-und-w-lder-74-0[74] Zudem besitzen WĂ€lder einen hohen kulturellen Wert. Dies betrifft besonders indigene Stammesvölker wie die Fayu auf West-Papua, fĂŒr die der tropische Regenwald die wichtigste Lebensgrundlage darstellt.

Mit den ökologischen Folgen der Entwaldung sind aus umweltökonomischer Sicht mittel- bis langfristig volkswirtschaftliche Einbußen verbunden und der Verlust hoher Werte, die jedoch nicht genau beziffert werden können. Die Verursacher der Entwaldung mĂŒssen keinen Ausgleich fĂŒr die SchĂ€den leisten, die sie der Allgemeinheit aufbĂŒrden (Externalisierung der Kosten).

Die Zerstörung unberĂŒhrter WĂ€lder durch Abholzung, Bergbau, Straßenbau durch abgelegene Orte, rasche VerstĂ€dterung und Bevölkerungswachstum bringt Menschen in Kontakt mit wilden Tierarten, von denen Krankheitserreger auf menschliche Gemeinschaften ĂŒberspringen können.cite-ref-75[75]cite-ref-76[76] Die Gefahr von seuchenartigem Auftreten ist auch bei einigen Zoonosen gegeben.

Gegenmaßnahmen

Es ist seit den BeschlĂŒssen der Agenda 21, dem Kerndokument der Konferenz fĂŒr Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED) in Rio de Janeiro (1992), das erklĂ€rte Ziel von 179 Staaten, die Entwaldung zu bekĂ€mpfen (Agenda 21, Kapitel 11).cite-ref-77[77] GrundsĂ€tzlich existieren zwei AnsĂ€tze, um den negativen Folgen der Entwaldung entgegenzuwirken: Die Verhinderung von Entwaldung, oder Aufforstung.

Da beabsichtigte LandnutzungsĂ€nderungen regelmĂ€ĂŸig ökonomisch motiviert sind, werden von Stakeholdern zunehmend finanzielle Anreize favorisiert. Die Kosten zur Reduzierung der Entwaldung werden von FERN, bezogen auf den Wissenschaftler Stern, auf etwa 5 Milliarden USD taxiert. Diskutiert werden Abgaben auf jedes Barrel gehandelten Erdöls, sowie die konsequente Anwendung und Anpassung des CO2-Handels.cite-ref-78[78]

Im August 2020 zeigten Forscher, dass ca. 300 Mio. Menschen auf „tropical forest restoration opportunity land“ leben.cite-ref-79[79]cite-ref-80[80]cite-ref-81[81]

Entwaldung verhindern

Um der ungewollten Entwaldung durch inadĂ€quate Holz- oder Landnutzung entgegenzuwirken, können Maßnahmen gefördert werden, die die Nachhaltigkeit von Forstwirtschaft erhöhen. Dazu zĂ€hlen technische und informationelle Maßnahmen, Bildung und Fortbildung und die StĂ€rkung administrativer Strukturen. Ein Beispiel fĂŒr eine technische Maßnahme sind agroforstliche Systeme: Auf alten nĂ€hrstoffarmen Böden der tropischen RegenwĂ€lder wie Latosolen ist es in der Regel unmöglich, eine europĂ€isch geprĂ€gte Landwirtschaft ĂŒber lange Zeit zu praktizieren. Schon nach etwa 5 Jahren sind die Böden so ausgelaugt, dass keine FeldfrĂŒchte mehr wachsen. Die Folge ist Wanderfeldbau, Brandrodung und weitere Entwaldung. Durch die Produktion von Nahrungsmitteln unter der Baumschicht lĂ€sst sich der Wald ĂŒber viele Generationen nutzen, ohne ihn zu zerstören.

Zudem muss ein effektiver Gesetzesvollzug gewĂ€hrleistet werden, um dem Illegalen Holzeinschlag entgegenwirken zu können. Dies umfasst gesetzliche Maßnahmen zur BekĂ€mpfung des internationalen Handels mit illegalem Holz (FLEG-Programme, in Deutschland gab es eine Initiative fĂŒr ein Urwaldschutzgesetz). Daneben muss die lokale Bevölkerung ĂŒber Alternativen zur Feuerholznutzung aufgeklĂ€rt werden. Die Verbreitung der Kenntnis zur Herstellung von Solarkocherncite-ref-82[82] aus örtlich vorhandenen Mitteln ist hier zu nennen.

Die europĂ€ische Holzhandelsverordnung reguliert schon seit lĂ€ngerem den Vertrieb von Produkten, die zur weltweiten Entwaldung und WaldschĂ€digung beitragen. Dies sind neben Holz und Papier auch Kakao, Kaffee, Soja und Rinder. Die europĂ€ische Entwaldungsverordnung schĂŒtzt darĂŒber hinaus auch arbeitsrechtliche und menschenrechtliche Aspekte und verpflichtet alle HĂ€ndler und Marktteilnehmer zur Garantie der Entwaldungsfreiheit. Ein-, Ausfuhr und Handel von Produkten, die zur WaldschĂ€digung oder Entwaldung beigetragen haben, ist somit ab 2025 verboten und kann neben zivilrechtlichen Folgen zu einer Verwaltungsstrafe in der Höhe von bis zu 4 % des weltweiten Umsatzes fĂŒhren.cite-ref-83[83]

In Frage kommen außerdem finanzielle Anreize, die die Umwandlung von Wald in kurzfristig rentablere Landnutzungsformen unattraktiv machen. Dies können EntschĂ€digungszahlungen in Analogie zum Wasserentnahmeentgelt sein (der fĂŒr Einkommenseinbußen des Waldbesitzers durch von ihm unterlassene Managementmaßnahmen an diesen bezahlt wird). Hierzu wurde auf der 13. UN-Klimakonferenz, die vom 3. bis zum 15. Dezember 2007 auf Bali stattfand, die Forest-Carbon-Partnership-Facility ins Leben gerufen. Dies ist ein Fonds der Weltbank, in welchen IndustrielĂ€nder freiwillig einbezahlen.cite-ref-84[84] Aus diesem Topf erhalten bestimmte LĂ€nder Geld fĂŒr den Erhalt von WĂ€ldern. Deutschland plante, in diesen Fonds 60 Millionen Dollar, andere Staaten noch einmal mehr als 100 Millionen einzuzahlen.cite-ref-85[85]

Ein anderer Ansatz ist die Steuerung der Nachfrage nach auf den umgewandelten FlĂ€chen produzierten GĂŒtern wie Palmöl durch Marktinstrumente, zu welchen auch die Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft sowie Verbraucherinformationen zĂ€hlen. Die EU arbeitet auch an einem Import-Verbot von Waren, fĂŒr deren Produktion WĂ€lder zerstört wurden.cite-ref-86[86] Chancen bietet auch die nachhaltige, regionale Nutzung von Nicht-Holz-Produkten des Waldes (Pilze, Beeren, Dienstleistungen). Sie bietet der einheimischen Bevölkerung eine Lebensgrundlage und dient somit dem Schutz eines intakten Waldökosystems.cite-ref-globalisierung-und-w-lder-74-1[74]

Die Umweltorganisation Rettet den Regenwald ruft zu einem umweltbewussteren Konsum von Holzprodukten auf, wie etwa zur BeschrÀnkung des Papierverbrauchs sowie zum Kauf von Recycling-Papier und möglichst haltbaren, hochwertigen Möbeln aus heimischen Hölzern.cite-ref-87[87]

Ein gibt auch Waldbesetzungen.cite-ref-88[88] Große Aufmerksamkeit erhielt die RĂ€umung des Hambacher Forsts 2018.

Insgesamt ist aber auch ein ganzheitlicher Ansatz notwendig, um der Entwaldung entgegenzuwirken, da sie außerdem durch Armut, strukturelle Defizite und die Zunahme der Bevölkerungsdichte bedingt ist.cite-ref-89[89]

Internationale, nationale und subnationale Policies

Siehe auch

:

Incentive

,

Handelshemmnis

und

Erdbeobachtungssatellit

Zu politischen Maßnahmen zum Schutz von WĂ€ldern gehören Informations- und Bildungsprogramme, wirtschaftliche Maßnahmen zur Steigerung der ErtrĂ€ge aus genehmigten AktivitĂ€ten und Maßnahmen zur Erhöhung der EffektivitĂ€t von "Forsttechnikern und Forstmanagern".cite-ref-90[90] Es wurde festgestellt, dass Armut und landwirtschaftliche Pacht wichtige Faktoren der Entwaldung sind.cite-ref-91[91] Akteure bzw. EntscheidungstrĂ€ger im In- und Ausland könnten politische Maßnahmen entwickeln und umsetzen, deren Ergebnisse sicherstellen, dass wirtschaftliche AktivitĂ€ten in kritischen WĂ€ldern mit ihrem wissenschaftlich robust zugeschriebenen Wert–aufgrund ihrer Ökosystemleistungen, der AbschwĂ€chung des Klimawandels und anderen Zwecken–vereinbar sind.

Solche Policies könnten die Entwicklung ergĂ€nzender technischer und wirtschaftlicher Mittel nutzen und organisieren – einschließlich einer geringeren Rindfleischproduktion, eines geringeren Rindfleischverkaufs und eines geringeren Rindfleischkonsums (was auch fĂŒr die EindĂ€mmung des Klimawandels von großem Nutzen wĂ€re),cite-ref-92[92]cite-ref-93[93] eines höheren Niveaus bestimmter anderer wirtschaftlicher AktivitĂ€ten in solchen Gebieten (wie Wiederaufforstung, Waldschutz, nachhaltige Landwirtschaft fĂŒr bestimmte Klassen von Lebensmitteln oder etwa quartĂ€re Arbeit im Allgemeinen), gesetzliche Produktinformationsanforderungen, Praxis- und Produktzertifizierungen und Ökotarife, zusammen mit der erforderlichen Überwachung, Verkaufs- oder Importregulierungen und RĂŒckverfolgbarkeit. Durch die EinfĂŒhrung, Durchsetzung und Veranlassung solcher Maßnahmen könnte beispielsweise ein weltweiter Ausstieg aus der Abholzung aufgrund von Rindfleisch erreicht werden.cite-ref-94[94]cite-ref-95[95]cite-ref-96[96] Mit Policy-Sequencing Frameworks können bestehende oder hypothetische Policies in einer sequentiellen Reihenfolge angeordnet werden, was eine komplexe polyzentrische Governance zur Erreichung von Zielen wie einer ausreichenden AbschwĂ€chung des Klimawandels, wie sie z. B. mit dem Pariser Abkommen beschlossen wurde, und einer vollstĂ€ndigen Beendigung der Entwaldung bis 2030 – wie auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow 2021 beschlossen – besser ermöglicht.cite-ref-10-1017-sus-2021-21-97-0[97] Trotz des von mehr als 140 Staaten beschlossenen Ziels, die Entwaldung zu stoppen, schreitet die Zerstörung von WĂ€ldern weltweit voran.cite-ref-98[98]

Aufforstungen und Wiederaufforstungen

→

Hauptartikel

:

Aufforstung

Das Kyotoprotokoll ermöglicht es Industriestaaten, durch Aufforstungsmaßnahmen in EntwicklungslĂ€ndern die eigene CO2-Bilanz zu verbessern. In den Tropen ist die Fixierung von bis zu 15 t Kohlenstoff pro Hektar und Jahr möglich.cite-ref-99[99]

Gegen Aufforstungen sprechen einige Aspekte, darunter die Konkurrenz mit der Landwirtschaft um Wasser und AnbauflÀche und somit auch der Nahrungsmittelproduktion. Der ökologische Wert gepflanzter WÀlder, besonders im Falle plantagenartiger Bewirtschaftungsformen, ist relativ gering.

Die weltweit mit weitem Abstand grĂ¶ĂŸten Anstrengungen zur Aufforstung unternahm China mit seinem Projekt der GrĂŒnen Mauer. Seit dem Jahr 2000 wurden ĂŒber 4 Millionen Hektar Wald gepflanzt.cite-ref-forestrypaper147-s21-57-1[57] In China ist besonders die Erosion seit Jahrhunderten ein bekanntes Problem. An zweiter Stelle folgt Spanien mit knapp 300.000 Hektar. Hintergrund sind hier auch Förderprogramme der EG. Spanien ist stark von Desertifikationsprozessen betroffen: 1991 waren der spanischen Naturschutzbehörde ICONA zufolge 1 Million Hektar bereits verwĂŒstet, und 18,1 % des Landes (9 Millionen Hektar) stark von Erosion betroffen.cite-ref-100[100]

Aufgeforstete WaldflĂ€chen und die entsprechende Anzahl an BĂ€umen sind im Vergleich zu den jĂ€hrlich entwaldeten Gebietencite-ref-gfra2020-101-0[101] eher unwesentlich und das SchĂŒtzen bestehender Wald-Ökosysteme wird von Wissenschaftlern priorisiert.cite-ref-102[102]cite-ref-103[103]cite-ref-104[104]cite-ref-105[105]

Siehe auch
Literatur

‱ Jonah Busch, Kalifi Ferretti-Gallon: What drives and stops deforestation, reforestation, and forest degradation? : an updated meta-analysis. In: Review of environmental economics and policy. (ISSN 1750-6824) Bd. 17, H. 2 (2023), S. 217–250.
‱ FAO, FILAC (2021): Forest Governance by Indigenous and Tribal People. An Opportunity for Climate Action in Latin America and the Caribbean. (online)
‱ FAO (2005): Global Forest Resources Assessment 2005. Progress towards sustainable forest management, FAO Forestry Paper 147, siehe (online)
‱ Michael Williams: Deforesting the earth – from prehistory to global crisis. Univ. of Chicago Press, Chicago 2003, ISBN 0-226-89926-8.

Weblinks

Commons

: Deforestation

– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Literatur von und ĂŒber Entwaldung im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Global Forest Watch Online
‱ FAO Forestry
‱ EU Forestry
‱ United Nations Forum on Forests
‱ Berlin-Institut fĂŒr Bevölkerung und Entwicklung: Online-Handbuch Demografie: "Abholzung und Klima"
‱ deutschlandfunk.de, Forschung aktuell, 24. November 2017, Monika Seynsche: Gestörte und ungestörte WĂ€lder - Wie Abholzung die Artenvielfalt bedroht

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Sandra Kirchner: Weltweiter Waldverlust auf Rekordniveau. In: Klimareporter. 3. Oktober 2019, abgerufen am 5. Oktober 2019.
cite-note-22. ↑ 30 Millionen Hektar pro Jahr: Weltweite Abholzung auf Rekordniveau regenwald.org, 6. August 2018.
cite-note-welt-de-garms-2013-33. ↑ Anja Garms: Wo die WĂ€lder der Welt verschwinden welt.de, 16. November 2013. Zitat: „Zwischen 2000 und 2012 hat die Welt 2,3 Millionen Quadratkilometer Wald durch Abholzung und durch Naturereignisse wie BrĂ€nde oder StĂŒrme verloren.“
cite-note-44. ↑ J. Herkendell, J. Pretzsch (Hrsg.): Die WĂ€lder der Erde (= Beck’sche Reihe. 1127). Beck, MĂŒnchen 1995, ISBN 3-406-39227-X, S. 136 f.
cite-note-55. ↑ Secretariat of the Convention on Biological Diversity: The Value of Forest Ecosystems (= CBD Technical Series. no. 4). SCBD, Montreal 2001, ISBN 90-907211-1-9, S. 42 (online; PDF-Datei; 362 kB).
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